Andacht

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Jesaja 50,10

Liebe Leserin, lieber Leser des Gemeindebriefes!

Die ersten Adressaten dieser Ansprache waren die Israeliten in Babel. In den fast 70 Jahren der Verbannung hatten sie viel Schweres zu ertragen. „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet…“

Es ging bei ihnen um eine Verdüsterung des Lebens im wahrsten Sinne des Wortes. Alles war ihnen aus der Hand geschlagen worden: Man hatte sie aus der Heimat verschleppt; Familien und Sippen waren auseinander-gerissen worden; sie hatten ihre Existenzgrundlage verloren, standen vor dem Nichts. Für sie war eine Welt zusammengebrochen.

Worauf kann sich der Mensch in den extremen, den äußersten Situationen des Lebens stützen? Wo findet einer Halt, wenn er vor dem totalen Bankrott steht? Alles verliert, was er in den Jahren aufgebaut hat? Eine unheilbare Krankheit bei ihm diagnostiziert wird? Der Tod ihm den einzig geliebten Menschen genommen hat? Wer gibt Halt, wenn einem der Boden unter den Füßen wankt?

Mit wohlfeilen Reden können wir diesen Menschen nicht helfen. Gut gemeinter Trost klingt in ihren Ohren womöglich nur wie Spott und Hohn. Wir können fürs erste tatsächlich nur das tun, was der Prophet Jesaja damals getan hat. Er hat den schwer Heimgesuchten zugesichert: Es ist doch noch einer da. Es gibt den Felsen in der Brandung. Gott ist da. Er ist immer noch der Herr. Verlasst euch auf ihn! Macht euch an ihm fest! Wozu Jesaja aufruft, ist im Grunde genommen das, was die Bibel unter Glauben versteht. Glauben bedeutet: Sich ganz auf Gott werfen, sich ihm in die Hand geben, auf ihn vertrauen, in Zuversicht und Hoffnung auf ihn harren.

Solcher Glauben kann in den Tagen, wo ein Mensch schwer geprüft wird, ehrlicher werden, ernster, tiefer, bedingungsloser. Er kann uns zu einem rückhaltlosen Vertrauen hinführen, weil alle sonstigen Sicherheiten uns nicht mehr tragen und belanglos geworden sind. "Habe ich nur dich, Gott“ heißt es in einem Psalm der Bibel.

Das Volk Israel hat in den schweren Jahren der Gefangenschaft die Kraft des Glaubens für sich neu entdecken können und zu Zuversicht, Hoffnung und Mut zurückgefunden. Die Verbannten sind gestärkt aus den Jahren der Gefangenschaft hervorgegangen. Es war keine verlorene Zeit für sie. Prüfungen wünscht sich niemand herbei. Schon gar nicht solche, die uns an die Existenzgrundlage gehen.

Aber wenn es denn doch einmal so sein sollte und wir in Dunkelheit geführt werden und uns kein Licht mehr leuchtet, dann wollen wir uns an die Zusage des Propheten erinnern und daraus Kraft und Zuversicht schöpfen. Gib dich nicht der Verzweiflung hin. Es ist noch einer da. Gott ist noch da. Verlass dich auf ihn. Die Dunkelheit in deinem Leben kann nicht so erschreckend und bedrohlich sein, dass Gott sie nicht mit seinem Licht erhellen könnte. Das Licht seiner Gnade und Liebe, das im Mensch gewordenen Gottessohn Jesus Christus erschienen ist, will auch dir leuchten und dir Wege des Vertrauens, der Zuversicht und der Hoffnung aufzeigen.

„Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und Schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

Mit herzlichen Grüßen zu den Advents- und Weihnachtstagen

Ihr Hans-Joachim Keßler, Pfr.

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