Andacht

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Matthäus 16,26

Liebe Leserin, lieber Leser des Gemeindebriefes!

Der Monatsspruch für September ist einem Abschnitt entnommen, der von der Nachfolge Jesu handelt. Dabei geht es im Grunde genommen um eine neue Bewertung des Lebens. Plus und Minus scheinen die Seiten zu wechseln. Wer meint, er würde gewinnen, steht in Gefahr, alles zu verlieren. Und wer in den Augen der Welt als Verlierer erscheint, der darf gewiss sein, dass er bei Gott Anerkennung finden wird. Wie kann das sein? Auch unser Vers beinhaltet eine paradoxe Wahrheit.

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Gewinn und Profit zu erzielen ist nicht nur für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft von grundlegender Bedeutung. In jedem Menschen steckt der Wunsch, vorwärts zu kommen, erfolgreich zu sein, sich materiell zu verbessern, das Leben abzusichern. Die Frage ist nur, um welchen Preis das geschieht. Der größte Gewinn, den die Welt zu bieten hat, wäre die Welt selbst. Jesus nimmt diesen Fall an. Ein Mensch gewinnt die Welt, hat auf alles Geld, Kapital und Vermögen absoluten Zugriff, kann nach Lust und Laune darüber verfügen. Welche Möglichkeiten würden sich für ihn auftun? Was könnte er sich alles leisten? Ein Leben in Saus und Braus. Wunschlos glücklich? Wir träumen wohl auch schon einmal vom Glückstreffer.

Ach, was wäre wenn….

Wenn ich die sechs Richtigen hätte!

Wenn ich das große Los zöge!

Wenn ich auch einmal Erfolg hätte und Anerkennung fände!

Jesus denkt diese menschlichen Gedanken zu Ende, aber er stellt zugleich die Frage: Ist damit das Leben wirklich schon gewonnen und abgesichert? Gibt uns der große Gewinn die erhoffte Garantie?

Werden wir dann aller Sorgen ledig und rundum glücklich und zufrieden sein?

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne…“

Das ist die Frage: Was helfen die Millionen und Abermillionen, was hilft aller Luxus, der ganze Saus und Braus, wenn dabei der Mensch Schaden an seiner Seele nimmt?

Wenn es ihm ergeht, wie dem reichen Mann, der zu hören bekommt: „ Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“

Sein ganzer großer Gewinn, seine Schätze und Geldanlagen verlieren mit einem Schlag ihre Bedeutung. Alles, was er aufgehäuft und zusammengerafft hat, verschwindet in der Dunkelheit des Todes. Der Mensch hat nichts mehr davon.

Die Seele steht in der Bibel für die Lebenskraft, die von Gott geschenkt wird und die Gott auch jederzeit wieder zurückfordern kann. Es ist der Odem des Lebens, von dem der Psalm sagt: „Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen… du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.“ Aller Reichtum, alle Schätze der Welt reichen nicht aus, um auch nur eine einzige menschliche Seele vom Tod freizukaufen. Ist das nicht in der Tat ein zu hoher Einsatz? Über den finanziellen Gewinnen und äußeren Erfolgen, die wir bestenfalls erreichen können, am Ende den Frieden mit Gott zu verlieren? Seiner Gnade und Liebe verlustig zu gehen? An der eigenen Seele Schaden zu nehmen. Einen Schaden, der endgültig ist und nicht mehr repariert werden kann? Ist es das wirklich wert?

Diese Frage legt uns Jesus Christus in unserem Monatsspruch ans Herz. Darüber nachdenken sollte man schon.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Hans-Joachim Keßler, Pfarrer

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Pfarrer Hans-Joachim Keßler

Jugendreferent Diakon Sven Vorderbrück