Out of Order ?! - Ein gelungener Fachtag!

Out of order?! - Ein gelungener Fachtag

„Out of order?“ Traumasensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Autorin: Sabine Haupt-Scherer

 

 

Unter diesem Titel fand ein Fachtag der Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt und des Amtes für Jugendarbeit der EKvW in Grevenbrück statt. Die Jugendreferent*innen der Kirchengemeinde Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück hatten dazu eingeladen und ihn unter Corona-Bedingungen organsiert: Die Stühle standen einzeln mit 1.50m Abstand, Handdesinfektion statt Kaffee, die Fenster weit geöffnet, eine CO2-Ampel maß den Luftaustausch.

17 Teilnehmende aus ganz NRW waren gekommen, eine bunte Mischung aus Jugendreferent*innen, Gemeindepädagog*innen, Lehrer*innen, Erzieher*innen sowie Mitarbeiter*innen der OGS, aus der Offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und von den Pfadfindern. Gern wären noch mehr gekommen, aber unter Coronabedingungen musste die Teilnehmendenzahl begrenzt werden.

 

Thema waren Kinder und Jugendliche, die sich unverständlich verhalten und nicht auf Ansprache reagieren, die „out of order“ wirken und stören – sogenannte „Systemsprenger“ eben.

 

Schon vor Jahren hatten sich Sven Vorderbrück und Kristina Ashoff auf den Weg gemacht, hier mehr zu verstehen und handlungsfähig zu werden. Ein Traumapädagogik-Schnuppertag von Sabine Haupt-Scherer aus dem Amt für Jugendarbeit der EKvW wurde für beide zum „Augenöffnertag“. Plötzlich wurde bisher unverständliches Verhalten verstehbar:

Wenn jemand unter traumatischen Bedingungen Gewalt erlebt, entsteht im Gehirn eine Art „schreibgeschützte Datei“, ein Muster von Gewalt. Dieses Muster kann in aktuellen Situationen wieder ausgelöst werden. Denn das Gehirn hält dann Erinnerungen, auf die es stößt, für Gegenwart. Man tut dann Dinge, die man nicht steuern kann, man reagiert panisch oder aggressiv – passend für die alte Situation, aber unpassend heute. Alles, was uns in unserer Existenz bedroht und ohnmächtig macht, kann traumatisieren. Und das sind eben nicht nur Fluchterfahrungen, Messerstechereien und der 11. September, sondern auch die „kleinen“ Grausamkeiten des Lebens: plötzliche Trennungen oder Todesfälle, häusliche Gewalt, Vernachlässigungen, massive Demütigung oder Beschämung und vieles mehr. Das zu wissen, macht manches Verhalten verstehbarer und den Umgang damit leichter.

Davon wollten Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück mehr. So hatten sie sich durch das Amt für Jugendarbeit zu Traumapädagogen ausbilden lassen, jetzt wollten sie weitergeben, was sie entdeckt und gelernt hatten.

 

Vormittags referierte Sabine Haupt-Scherer zu den neurobiologischen Grundlagen der Traumapädagogik. Denn Traumata verändern etwas im Gehirn und im Gedächtnis und das hat Folgen für das Denken, Fühlen und Verhalten von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Nachmittags stellten Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück Möglichkeiten vor, Situationen zu deeskalieren, Kinder und Jugendliche zu unterstützen und im Gruppenalltag damit umzugehen. Auch Hilfen zur Unterstützung der Mitarbeitenden, für die der Umgang mit traumatisierten Menschen sehr belastend sein kann, kamen zur Sprache.

Und natürlich war Corona Thema. Wo schränkt Corona die Möglichkeiten ein, betroffene Kinder und Jugendliche zu unterstützen? Wo lässt Corona alte traumatische Erfahrungen wieder lebendig werden?  

Am Ende sind sich alle einig, dass es sich gelohnt hat, an diesem Samstag ins Sauerland gekommen zu sein – weil das Thema spannend war, weil es schön war, im Realkontakt zu lernen, neue Menschen kennen zu lernen, wenn auch nur auf Abstand. Und alle sind sich einig: Mit diesem Thema wollen wir uns weiter beschäftigen.

Kontakte

Bezirksbüro Grevenbrück
Frau Beate Limper
Siegener Str. 13
57368 Lennestadt-Grevenbrück

Tel   02721/2166
Mail
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Pfarrer Schliebener / Pfarrerin Warns

Diakon Sven Vorderbrück